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Forum der Kölner Bi-Gruppe
Uferlos e.V.
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Dieses Thema hat 5 Antworten
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 Erste Begegnung der uferlosen Art
Susann Offline



Beiträge: 34

13.04.2007 12:36
Mein "erstes mal" antworten

Mein erster Abend war im Sommer 2000. Ich hatte schon früher Anzeigen in der Stadtrevue gelesen, die mich sehr neugierig gemacht hatten, aber zu der Zeit gab ich Montags abends noch Unterricht und es war nicht leicht, einen ersten Montag zu finden, an dem ich frei hatte- ich war also schon seit Monaten mega gespannt auf die Gruppe.
Ich kam also aufgeregt ins Café vom BüZe und sah dort zwei große und mehrere kleine Gruppen. Wer waren jetzt die Bi´s ? Keine Ahnung! Also fragte ich an der Theke, aber dort hatte man genauso wenig Ahnung – ich sollte einfach fragen. Der hatte gut reden, das konnte ja peinlich werden, wenn ich die Falschen frage! (Kleiner Tip für Neulinge, denen es ebenso geht: fragt die Leute nach Uferlos, die Bi`s wissen Bescheid, die Anderen kennen das ziemlich sicher nicht) Ich hatte Glück: die Ersten, die ich ansprach waren die Richtigen.
Da dieser Abend in die Sommerferien fiel, stand der Gruppenraum, den wir normalerweise nutzen, nicht zur Verfügung und weil das Wetter gut, war sind wir dann in den Biergarten raus gegangen.
Gut 20 Leute waren an dem Abend da, Frauen und Männer ca. fiffty/fiffty , zwischen Mitte zwanzig und Fünfzig, außer mir noch zwei andere Neue.
Es gab eine Einführung vom Moderator und dann das Blitzlicht. Ich war erst relativ spät dran und konnte mir so ein paar Andere anhören und Mut fassen, zu sagen, was ich sagen wollte:
Ich lebte in einer Hetero-Beziehung, hatte eine andere Frau schon geküßt, aber noch nie mit einer geschlafen – durfte ich trotzdem in die Bi-Gruppe kommen? Überall im Kreis Lächeln, Lachen, Nicken. Ich erfuhr, dass es die/den klassischen „fiffty/fiffty –Bi“ praktisch gar nicht gibt. Es gibt immer eine mehr oder weniger starke Vorliebe für ein Geschlecht und die kann sich auch noch im Laufe der Zeit wandeln (was ich mittlerweile nur bestätigen kann, nachdem ich viele Bi`s über Jahre kenne und manchmal auch erlebt habe, wie sich eine deutliche Neigung zum eigenen Geschlecht in eine größere Vorliebe für das Andere Geschlecht gewandelt hat -und umgekehrt. Leben heißt eben auch Veränderung!) Außerdem ginge es nicht nur um Sex, auch Bi-Emotionalität spiele eine wichtige Rolle in der Gruppe.
Inzwischen weiß ich: man kann fühlen, denken und ausleben was immer man will - solange man andere auch Denkens- und Lebensweisen akzeptiert, ist man willkommen in der Gruppe!
Nach dem Blitzlicht entspann sich eine recht lebhafte Diskussion um den kurz zuvor statt gefundenen CSD. Auf dem Wagen der Bi-Gruppe hatten 2 Frauen ihre Brüste entblößt und provokativ aus dem Wagen ins Publikum gehalten. Die Meinungen gingen von: „Das war ja unmöglich, auf diese Art möchte ich als Bi nicht in der Öffentlichkeit repräsentiert werden“ Bis zu: „Was wollt Ihr eigentlich – unser Motto war: Sexualität hat viele Gesichter! Und das war eben eins davon.“ Es gab auch eine leicht boshafte Schadenfreude darüber, dass ein Bild dieser Aktion im Express erscheinen war mit einem Untertitel, aus dem hervorging, es habe sich um einen lesbischen Wagen gehandelt. Diese Schadenfreude resultiert aus der Tatsache, dass Bisexuelle in der schwul/lesbischen Szene auf Grund einiger Vorurteile häufig nicht akzeptiert werden.
Der Abend war für mich unterhaltsam und spannend. Mein erster Eindruck war: Hier gibt es eine Menge offener, interessanter Menschen.
Ich wollte unbedingt wieder hin und habe versucht mir so viele Namen wie möglich zu merken – vergeblich: Als ich im nächsten Monat wieder kam, waren überwiegend ganz andere Leute da! Da die aber nicht weniger interessant waren, habe ich mir ab Januar 2001 den Montag Abend arbeits-technisch frei geschaufelt und komme seitdem ziemlich regelmäßig.
Inzwischen bin ich eine der Ansprechpartner für Neue und mit Fabian zusammen für den offenen Montag verantwortlich.
Weil ich „näher dran“ an der Gruppe sein wollte, bin ich auch ins Orga-Team gegangen und habe dort mit Vorbereitungen von CSD, Uferlosparty`s und vielem andern nicht nur Arbeit, sondern auch oft viel Spaß mit netten Leuten gehabt.
Obwohl es beim offenen Montag häufig immer wieder um die gleiche Dinge geht (Coming-out, Eifersucht von Partnern, offene Beziehungen), finde ich es – im Gegensatz zu mach anderen “alten Hasen“ dort noch immer spannend, weil immer wieder neue und oft interessante Menschen kommen. Und auch wenn ich immer wieder glaube schon alles gehört zu haben, überrascht mich von Zeit zu Zeit doch wieder Jemand mit einer völlig neuen verrückten Lebensgeschichte ...!

Jenny Offline



Beiträge: 40

21.04.2007 18:51
#2 RE: Mein "erstes mal" antworten

WOW! Zu so einem detaillierten Text werde ich es wohl nicht bringen, aber meinen Senf will ich hier schon dazugeben ;o)

Als ich das erste Mal zur Gruppe gegangen bin, hatte ich unbeschreibliche Angst davor, dass alle mich anstarren mit dem: OH MEIN GOTT, DIE IST BI!!! Aber Wunder oh Wunder waren bei dem BI-Treffen noch mehr Menschen Bi... Trotzdem habe ich gedacht mein Hals schnürt sich zu, als ich mich vorgestellt habe.
Aber schon ganz schnell habe ich gemerkt, dass dieses Gefühl wahrgenommen und respektiert wurde. Dass nicht gelöchert wurde wann, wer, was, wie, mit wem, etc. gewesen ist, sondern dass einfach ein anderes Thema aufgegriffen wurde.
Schon nach ganz kurzer Zeit habe ich gemerkt was für eine angenehme Atmosphäre in dieser Gruppe herrscht, obwohl sie offen ist. Wie die Leute so unbeschreiblich offen über Intimste Sachen sprachen hat mich enorm beeindruckt.
Später, einige Male später, habe ich mich dann auch getraut mal was zu sagen.

Ich kann nur sagen, dass ich enorm glücklich bin, diese Gruppe mittlerweile gefunden zu haben.

So, und ich bin gespannt, was ihr so zu berichten habt von eurem ersten Mal...oder war was anderes gemeint damit?

Jenny

SonjaS Offline



Beiträge: 33

24.04.2007 17:13
#3 RE: Mein "erstes mal" antworten

Aaaaalso, ich glaube, ich bin circa 10 Mal um das Bürgerzentrum herumgeschlichen, ehe ich mich getraut habe reinzugehen. Wochen, nein Monate vorher, bin ich übers Internet auf die Uferlos-Gruppe aufmerksam geworden und habe immer mehr den Drang gespürt, dort hingehen zu MÜSSEN, um mich innerlich zu befeien und meine ganzen unterdrückten Gefühle und Gedanken bei Gleichgesinnten herauslassen zu können.
Zuerst war ich etwas irritiert, weil der große Gruppenraum etwas steril auf mich wirkte. Bei der Vorstellungsrunde war mein Puls auf 180 und meine Schüchternheit groß. Doch dann war ich an der Reihe und alle hörten meiner Geschichte ernsthaft und einfühlsam zu. Das hat mir viel Kraft gegeben und mir Mut gemacht, wieder zu kommen.
Susann war meine erste Bezugsperson, der ich für ihre sensible Art und ihr Verständnis bis heute sehr dankbar bin.
Mittlerweile sind über 2 Jahre vergangen und ich komme immer noch gerne zu den offenen Montagen, weil alle, trotz ihrer Unterschiedlichkeit, sehr reflektiert und nett sind.
Tja, und bereits am zweiten Offenen Montag habe ich meine feste Freundin kennengelernt, mit der ich bis heute glücklich zusammen bin.

Birgit Offline



Beiträge: 10

28.04.2007 10:36
#4 RE: Mein "erstes mal" antworten

Mein erstes Mal

Im Frühjahr 2005 bin ich das erste Mal in der Bi-Gruppe aufgeschlagen.

Nach dem Ende einer langen Beziehung wollte ich mehr wissen über Leute, die nach beiden Seiten offen sind und meine Weltsicht vergrößern. Ich versprach mir durch den Austausch mit anderen Menschen mehr persönliches Weiterkommen.

Die Gruppe habe ich im Internet gefunden. Ich bin dann auch gleich am nächsten ersten Montag hin. Als ich in der Bütze gegen halb neun die Tür zum Gruppenraum öffnete, saßen dort etwa 20 Leute im lockeren Kreis und es lief gerade eine Vorstellungsrunde, bei der jede und jeder ein kurzes Blitzlicht abgab. Jeder sagte soviel oder sowenig wie er wollte.

Worüber damals alles gesprochen wurde, weiß ich heute gar nicht mehr so genau.

Ich weiß aber noch genau, dass ich mich direkt sehr wohl gefühlt habe, weil die Atmosphäre so offen war. Ich hatte das Gefühl hier bist du richtig. Jeder wird anerkannt für das was er ist.
Leute berichten von ihren Erfahrungen und Gefühlen, andere hören zu und man tauscht sich aus. Man kann sich gut einbringen wenn man möchte, oder auch vom Zuhören was mitnehmen.

Nachher saßen wir noch im lockeren Kreis in der Kneipe zusammen und ich wusste, ich würde wiederkommen.

Birgit

dasdanielchen Offline



Beiträge: 4

02.07.2008 17:09
#5 RE: Mein "erstes mal" antworten

Vor meinem ersten Mal!!!

Also ich will hier mal ganz mutig vorpreschen und etwas für die Männerquote in diesem Forum tun. Nur Frauen ist hoffentlich für eine Bi-Gruppe nicht repräsentativ.
Ich stehe trotz meines fortgeschrittenen Alters im zarten Alter von 51 Jahren vor meinem coming-out und somit vor meinem ersten Besuch der Gruppe. Ich habe lange überlegt, ob ichs wagen will, doch ich weiß, dass ichs wagen muss und die Beiträge hier haben mit gezeigt, dass ichs auch wagen kann. Für soviel Ermutigung schonmal vielen lieben Dank. Das wird mir den Weg erleichtern und dazu führen, dass ich das Gebäude vorher nur 5mal umrunde.
Also wir sehn uns am 4. August zu meinem erste Mal, den 7.7. werd ich kaum schaffen.
Liebe Grüße

Daniel

SonjaS Offline



Beiträge: 33

02.07.2008 17:50
#6 RE: Mein "erstes mal" antworten

Na dann herzlich willkommen in unserer Gruppe, Daniel! Nur Mut! Wir kennen schließlich alle die Nervösität vor dem ersten Gruppenbesuch, haben Verständnis dafür und werden Dich nett empfangen.
Bis dann,
Sonja

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