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 Kirchentage
Fabius Offline



Beiträge: 75

26.04.2007 12:51
Kirchentag Berlin 2003 antworten

Was hat eine bisexuelle Gruppe auf einem Kirchentag zu suchen?
von Fabian Doles Vorstand Uferlos e.V. Köln


Mehr Bilder zu dieser Thema sehen unter:
http://uferlos.bine-web.de/berlin2003.htm


Das haben bestimmt viele Menschen gedacht, als sie uns zum ersten Mal bei unserem ersten Ev. Kirchentag in Frankfurt gesehen haben. Wir haben sie aber durch den enormen Besucheransturm wirklich überzeugen können.

Wir Bi's sind genau so weit verbreitet in der Kirche wie Homosexuelle, wir fallen nur nicht so sehr auf. Wir leben oft in nicht gleichgeschlechtlichen (Ehe-) Partnerschaften, einige von uns haben sogar Kinder (für Nachwuchs muss auch gesorgt werden).

In der Kirche tut sich was, zwar langsam aber immerhin. Dieses Jahr (2003) waren wir auf der so genannten "Meile der Möglichkeiten" mit vielen anderen "Randgruppen" wie z.B. der Lesbischen Katholikengruppe, katholischen Priestern und ihren Frauen und der HuK (Homosexuelle und Kirche).

Fünf Mitglieder unserer Kölner Bi-Gruppe Uferlos sind nach Berlin gefahren und haben einen Infostand zusammen mit dem Bisexuellen Netzwerk (BiNe e.V.) betreut. Wir führten viele vertrauliche Gespräche. Unsere frisch gedruckten BiNe-Broschüren ging weg, wie warme Semmeln.

Ich war erstaunt über die große Resonanz. Da gab es weniger seltsame Blicke als bei den Lesben & Schwulen beim CSD in Köln (die uns oft anschauten, als ob wir vom anderen Stern kämen).

Besucher, egal ob jung oder alt, hatten viele Fragen und zeigten großes Interesse. Sie nahmen Infomaterial nicht nur für sich mit, sondern auch für Freunde (oder war das nur Vorwand?).

Diese positive Erfahrung hatten wir auch bei den letzten Evangelischen Kirchentagen. In Frankfurt gab es aber einen Zwischenfall mit einem spuckenden "Lama". Ein aufgeregter Besucher spuckte uns an. Wir haben es nicht persönlich genommen, da er alle anderen Queer-Gruppen gleichermaßen angespuckt hat. Es gibt immer ein paar unverbesserliche Idioten auf dieser Welt.
Da ich ein Namenschild mit "I SPEAK ENGLISH" trug, bin ich von vielen Ausländern direkt englisch angesprochen worden. Ein Besucher aus Korea wollte unbedingt ein Foto mit mir machen (ich vermute, sonst hätte ihm keiner zu Hause geglaubt, dass es sowas auf dem Kirchentag gab).

Ein Libanese war auch froh uns zu sehen und schilderte mir, wie unmöglich solch ein Infostand in seiner Heimat wäre.

Meine eigene Heimat Amerika (ich komme aus der sogenannten religiösen "Bible Belt") wird oft als das "Land der unbegrenzten Freiheit" benannt. Die Realität sieht besonders auf dem Lande anders aus (und in Amerika gibt es viel Fläche).
In den Südstaaten herrschen Gruppen wie die "Moral Majority", "Ku-Klux-Klan" und andere ultrakonservative Kirchengruppen, die unsere Arbeit als "Teufelswerk" ansehen würden und mit aller Gewalt bekämpfen.

Daher lebe ich lieber in Europa, weil hier die Akzeptanz für andere Lebensformen eher gewährleistet ist. Ich bin froh hier in Europa zu leben und fand es toll, beim Ökumenischen Kirchentag in Berlin mitgemacht zu haben.

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